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Die totale Mondfinsternis 2008
 

Eineinhalb Wochen Schönwetter, jede Nacht klarer Himmel und ausgerechnet die Mondfinsternis sollte laut Meteorologen ins Wasser fallen. Schon in der Nacht der letzten totalen Mondfinsternis im März 2007 bot das Wetter nicht allzu gute Bedingungen. Immer wieder zogen dicke Wolkenfelder durch und teilweise regnete es sogar... Ein Déjà vue Erlebnis, so schien es mir mit dem diesjährigen Wetter. Nur im Tessin und weiter südlich sollte das Wetter gut werden, so meteoblue.com. Was nun?

 

20. Februar - 18:00 Uhr: Ich komme von der Schule nach Hause und betrachte wieder die sich nicht veränderten Satellitendaten. Noch immer verhiess das Wetter hier im Deutschsprachigem Raum nichts Gutes.

 

20. Februar - 18:30 Uhr: Kurzfristig entschied ich mich wegzufahren. Irgendwohin, wo es schönes Wetter sein sollte... ins Tessin? Da meine einzigen zwei Möglichkeiten ins Tessin zu kommen der öffentliche Verkehr und/oder eine Mitfahrgelegenheit mit einem Astronomiekollegen war, rief ich schnell ein paar Kontakte an um zu fragen, ob ich mitfahren könnte. Schliesslich sagt Peter Heinzen zu. Wir würden uns in Airolo treffen. Ich war überaus glücklich. Nun könnte es doch noch was werden aus der MoFi 2008.

 

20. Februar - 19:15 Uhr: Ein Zug nach Airolo musste nun gefunden werden... tatsächlich wurde ich fündig. Der Zug fuhr aber schon um 20:21 Uhr. Ich hatte also knapp eine Stunde um meine Sachen zu packen und zum Bahnhof Luzern zu fahren, der gut 25 Minuten Autoweg entfernt war. Was packe ich? Das war meine grösste Frage. Ich beschloss dann meinen kleinen 90/1250mm Maksutov und die HEQ5 mitzunehmen. Noch ein bisschen Kleinkram packen und die Reise konnte angetreten werden.

 

20. Februar - 20:21 Uhr: Pünktlich fährt der Zug ab. Es ist alles im Koffer und ich kann in aller Ruhe mein Abendessen im Zugabteil geniessen, während ich Richtung Tessin fahre.

 

20. Februar - 22:04 Uhr: "Nächster Halt: Airolo". War ich aufgeregt! Wenn alles klappen würde - und daran glaubte ich fest - sollte das meine erste Mondfinsternis werden, die ich ohne jeglichen Wolken beobachten und fotografieren kann. Ich stieg aus dem Zug aus und sah mich auf dem Steg um. Da war jemand... natürlich war es Peter Heinzen. Wir liefen zum Auto und fuhren los. Zu diesem Zeitpunkt war aber alles noch bewölkt. Zwar konnte man den Vollmond teilweise sehen, aber es war nicht das Wetter, das wir uns erhofft hatten.

 

21. Februar - 01:10 Uhr: Nach wirren Zickzack-Fahrten um die Gegend um Bellinzona, auf der Suche nach einem geeigneten Standort, hielten wir dann weiter südlich endlich an. Wir fanden einen kleinen Gemeindeparkplatz in Sala Capriasca (Nähe Tesserete), von wo aus man einen recht guten Überblick und auch einen recht tiefen Horizont hatte. Wir packten alles aus und fingen unsere gesamte Ausrüstung aufzubauen.

Das Bild links zeigt den Parkplatz auf dem wir Rast hielten (Google Earth). Das Bild rechts hat Peter mit seiner Canon 40D geschossen. Er hatte seine Ausrüstung schon aufgebaut, als ich erst die Kamera am Teleskop zu befestigen begann.

 

21. Februar - 02:15 Uhr: Es ist immer noch leicht bewölkt, aber es scheint, als würde sich die Wolkendecke langsam auflösen. Nun beginnt das Fokussieren. Ich schiesse das erste Bild vom Vollmond: Unscharf! Nachfokussieren, Foto schiessen, Schärfe überprüfen. Das ganze Prozedere ist notwendig, da meine Canon 300Da nicht wie die 40D von Peter per Live-View Funktion über das Kameradisplay zu fokussieren ist. Peter schiesst schon die ersten Fotos, als ich immer noch am Fokussieren bin. Zudem kam noch das Spiegelshifting des Maks, was die ganze Sache nicht leichter machte.

 

21. Februar - 02:38 Uhr: Die Wolken haben sich komplett verzogen, unsere Ausrüstung ist aufgestellt und fokussiert. Vier Minuten sollte es noch dauern, bis der Mond in den Kernschatten eintritt. Aber was ist denn das? Es schien, als würde sich der Mond schon jetzt verdunkeln. Peter überprüfte mit seinem Feldstecher und konnte bestätigen: Der Eintritt hat begonnnen. Schnell programmierte ich den Auslöser der Kamera und startete das Programm. Klick! Die erste Aufnahme war im Kasten. Nun machte die Kamera alle 40 Sekunden ein weiteres Foto. Wir konnten uns nun auf das visuelle Beobachten konzentrieren. Es war immer noch unglaublich. Keine einzige Wolke war am Himmel zu sehen. Und das sollte auch für den Rest der Nacht so bleiben.

                   

                   

Das erste Bild zeigt den Eintritt in den Kernschatten um 2:40 Uhr. Das zweite Bild wurde 20 Minuten später Aufgenommen, um 3:00 Uhr. Das dritte um 3:20 Uhr und das vierte um 3:40 Uhr. Beim klicken auf die Bilder gibt es eine grössere Version (800x533px).

 

21. Februar - 03:48 Uhr: "Alarm! Tau!" Ich leuchtete mit meiner Taschenlampe aus Gewohnheit auf die Optik um zu sehen, ob alles noch so ist, wie es sein sollte. Leider musste bemerken, dass die Meniskuslinse des Maks beschlagen war. Ich klärte Peter sofort über meine Entdeckung auf, da er zu diesem Zeitpunkt eine Kamera mit einem Fotoobjektiv auf einem Stativ hatte. Das sollte inzwischen auch schon beschlagen sein. Und tatsächlich war es so! Wie aus dem nichts waren unsere Optiken mit Tau beschlagen. Hier half nur noch Abwischen.

 

21. Februar - 04:03 Uhr: Totalität! Wow, ein wunderschöner Anblick! Es ist ein Erlebnis, das man nicht in Worte fassen kann. Peter und ich standen nur da und staunten über die Schönheit der Finsternis. Der Mond färbte sich orange und rundherum wurden immer lichtschwächere Sterne sichtbar.

                   
Das Bild links wurde kurz vor der Totalität aufgenommen: 3:59 Uhr. Und das Bild rechts 4 Minuten später, als der Mond komplett in den Erdschatten tauchte.

 

21. Februar - 04:53 Uhr: Der Mond taucht wieder aus dem Erdschatten heraus. Die Totalität dauerte exakt 50 Minuten.

                   

                   

                   

Das erste Bild zeigt den Mond um 4:53 Uhr. Das zweite Bild um 5:20 Uhr, das dritte um 5:40 Uhr und das vierte um 6:00 Uhr. Das fünfte Foto zeigt den Mond um 6:15 Uhr, das Ende der Mondfinsternis 2008. Das letzte, sechste Bild ist ein Komposit aus verschiedenen Fotos zum Ausdrucken...

 

21. Februar - 06:15 Uhr: Das Schauspiel ist vorbei und pünktlich ziehen wieder Wolken und der Dunst auf. Es hätte nicht besser kommen können!

 

Für eine Zeitrafferanimation der ganzen totalen Finsternis klicken sie hier: Download (Rechte Maustaste - Ziel Speichern unter...)

DivX Codec benötigt!

 

Es war eine tolle Nacht. Die Mondfinsternis konnte in voller Länge beobachtet werden und der Aufwand hat sich vollends gelohnt. Nun warte ich gespannt auf die nächste totale Finsternis am 28. September 2015, die in unseren Breitengraden in voller Länge beobachtet werden kann.

 

Ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal bei Peter Heinzen bedanken, der mir eine Mitfahrgelegenheit bot. Ohne ihn hätte ich die Finsternis nicht miterleben und fotografieren können.


Dennis B. Marton, Februar 2008