Astrofotografie -
Kunst oder Wissenschaft?
Im Allgemeinen müssen astronomische Bilder alle mehr
oder weniger nachbearbeitet werden, um den vollen Informationsgehalt
anzuzeigen, die in den Rohbildern vorhanden sind. In der Tat sind viele
Anfänger-Astrofotografen sehr überrascht, wenn sie ihr erstes Foto
geschossen haben und fast alles auf dem Bild schwarz ist, außer ein paar
helle Sterne. Der Grund ist, dass die Fähigkeit einen hohen Kontrastumfang
darzustellen nicht bei allen unserer Anzeigegeräte, wie z.B Drucker, LCD, TV
etc. gleichmäßig gut ist. Der Kontrastumfang astronomischen Bilder kann sehr
groß sein - von den hellsten Supernovae bis hin zu lichtschwache
Nebelflecke. Es gibt häufig interessante Details in lichtschwachen Objekten.
Die Aufgabe des Amateurastronoms ist also das vorhandene Rohbild der Kamera
soweit hin zu bearbeiten, dass ein möglichst hoher Kontrastumfang mit vielen
Details in ein und demselben Bild darzustellen sind.
Die Bearbeitungswerkzeuge heute sind sehr leistungsfähig. Somit muß sich der
Amateurastrofotograf in acht nehmen, mit dem bearbeiten nicht zu
übertreiben. So können moderne Bildbearbeitungs-Techniken manch Details zum
Vorschein bringen, die sonst nicht sichtbar sein würden - aber sie können
das Bild auch ''überbearbeiten''. Manchmal sind die Resultate so verfälscht,
dass die Objekte auf den Bildern nicht mehr der Wirklichkeit entsprechen.
Oder es können ''Details'' in einem Foto erscheinen, die in Wirklichkeit
nicht dort sind.
Nun weichen praktisch alle astronomischen Bilder, die der Öffentlichkeit
zugänglich sind stark vom Originalbild ab, welches wissenschaftlich nützlich
ist. Gerade deswegen und wegen der mehr oder weniger starken Bildbearbeitung
dürfen wir nicht über ein Bild urteilen, denn jede Person muß für sich
abwägen, was zuviel, oder zuwenig Bearbeitung ist. In anderen Worten ist das
bearbeiten eines Astrofotos sehr wohl eine große Kunst. Es kann ein
Kunstwerk sein, das durch wissenschaftliche Methoden und Aufwand
nachbearbeitet wird - dennoch ist es Kunst.
Es gibt Leute, die behaupten, dass jede mögliche Änderung oder
Nachbearbeitung des Bildes von seiner ursprünglichen Form, „falsch'' oder
„unmoralisch'' wäre. Zu all dem gibt es einen Schlüsselpunkt. Die
originalen, wissenschaftlich nützlichen Bilder sind im allgemeinen nicht
''schön'' zum betrachten. Sie können Antworten zu wichtigen Fragen, wie z.B
den exakten Abstand zu einer weitentfernten Galaxie, oder der genauen Bahn
eines Planetoiden geben, aber im Allgemeinen mangelt es den Bildern am
Ästhetischen, das uns anregt über weite Welten zu phantasieren. Bei vielen
der heutigen Amateurastronomen wurde das Interesse in Astronomie durch
solche wunderbare Bilder geweckt. Wie würde man ein Projekt, wie das des
Hubble-Teleskopes finanzieren, wenn es nur Zahlen und nicht wunderbare
Bilder schießen könnte? Die ''Normalbürger'' interessiert es nicht, wie
groß, oder wie weit entfernt ein Objekt in der Unendlichkeit des Universums
ist – sie werden vielmehr durch die Bilder inspiriert und mit dem Wissen
befriedigt, wie es da oben wohl aussieht.
All dies zeigt, das die Kunstform, die als Astrofotografie bekannt ist, sehr
wichtig ist, auch wenn sie nur indirekt einen Bezug zur Wissenschaft hat.
Dennis B. Marton, Dezember 2006