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Unser Erdtrabant - Und er ist doch farbig!
 

Wir kennen den Erdmond als schwarz-weissen, ständigen Begleiter unserer Erde. Aber da gibt es etwas, das unserem Auge verborgen bleibt und jeder, der eine digitale oder analoge Kamera sein eigen nennt, sichtbar machen kann.

Wenn Sie die Mondoberfläche mit ihren vielzähligen Kratern und Tälern durch ein Teleskop betrachten werden sie mit Sicherheit kleine Unterschiede in den Grautönen wahrnehmen. Dies, weil die Oberfläche des Mondes aus verschiedenen Mineralien zusammengesetzt ist. Es muss also ein Unterschied geben, auch wenn der mit unserem Auge nur Ansatzweise wahrgenommen werden kann. Nun gibt es aber – in der wunderwelt Technik – Kameras, welche genau diese Unterschiede - auch farblich - ziemlich exakt aufnehmen können, so dass der Fotograf nachträglich am Computer diese gewonnenen Informationen durch Bildbearbeitung auch für uns sichtbar machen kann. Es gibt Astrofotografen, die ihre Mondbilder entsättigen, das heisst in schwarz-weisse Bilder konvertieren, da er dann dem alltagsgewohnten Mondbild entspricht, wie wir ihn auch visuell sehen können. Doch viele wissen nicht, das sie damit wertvolle Informationen wegwerfen.

Wenn man nun ein Foto vom Mond schiesst, wird man vielleicht schon ohne Bildbearbeitung feine, farbliche Unterschiede wahrnehmen:

Schwarz-weiss Original Gesättigt


Um die Bildbearbeitung zu erklären, nehme ich als Beispiel ein Foto vom Mond durch ein kleines Maksutov Teleskop, dem Skywatcher 90/1250mm. Die Brennweite, wie schon geschrieben betrug 1250mm, als Kamera diente die Canon EOS 300D bei einer Empfindlichkeit von ISO 800 und 1/380 Sekunden Belichtungszeit. Das alles freihand, also ohne Montierung noch Stativ:

Nun kann man das geschossene Foto in Photoshop o.ä. laden und versuchen die Farbsättigung zu erhöhen.

Die folgenden Schritte erkläre ich mit dem Programm Photoshop CS2, da dieses weit verbreitet ist und eine relativ verständliche Benutzeroberfläche hat.

Also, weiter gehts, man erhöhe die Sättigung, indem man auf "Farbton und Sättigung..." klickt oder die Tastenkombination CTRL+U benutzt. Weil der Weissabgleich und die Farbtemperatur nicht stimmen wird das Bild mit höchster Wahrscheinlichkeit so aussehen, wie jenes, das links abgebildet ist. Da wurde der selbe Arbeitsschritt ausgeführt.


Um dies zu verhindern, muss man den Farbabgleich so einstellen, dass alle Farben gleich gewichtet sind. Es gibt mehrer Wege dies in Photoshop zu tun - auch automatisch - meine Empfehlung aber ist die manuelle Bearbeitung. Man passt das Histogramm so an, dass kein Farbkanal mehr stark von der anderen abweicht:
 

Diesen Effekt, der hier rechts mit vorher (links) und nachher (rechts) verdeutlicht ist, erzielt man indem man die Tastenkombination CTRL+L drückt, oder das Histogramm anders anpasst. Jeder Kanal sollte einzeln bearbeitet und aufeinander abgestimmt werden.

Nochmals: Der Button <<Automatisch>> ist bei diesem Schritt tabu. Aus gutem Grund: der Luminanzkanal, d.h der Helligkeitskanal wird dabei stark beeinträchtigt und führt zu einer unkorrekten, bzw. überhellten Darstellung.
 

Wenn dieser Schritt gemacht ist, geht es nun ans Eigentliche: An die Erhöhung der Farbsättigung. Wir wählen wieder die Tastenkürzel CTRL+U um das Fenster zu öffnen und erhöhen die Farbsättigung um 50%. Dann klickt man auf ok und wiederholt denselben Schritt nochmals mit 50%. Achtung: Das Ergebnis, welches auf diese Weise erzielt wird, ist nicht dasselbe wie einmal 100%. Die Erkärung lass ich mal weg.
Mit jeder Erhöhung der Sättigung nimmt auch das Farbrauschen des Bildes zu. Um das Rauschen zu mindern, verwenden wir nicht etwa ein Entrauschungstool wie z.B Neatimage - was übrigens ein sehr gutes Programm ist - sondern bleiben bei Photoshop. Es gibt zwei Wege dies zu tun. Einen einfachen und einen aufwändigeren.

 

Variante 1 (die einfachere)

Der erste Weg ist die Überlegung, dass das Farbsättigen den Luminanzkanal zerstört. Also werden wir ihn wiederherstellen.

Gesättigt 3mal 50% + 25%

Gesättigt mit Luminanzkanal

Geweichzeichnetes Sättigungsbild + Luminanz


Und das geht so:

1. Man dupliziere das gesättigte Bild, sodass zwei identische Ebenen aufeinander liegen

2. Dann entsättigt man die eine Ebene: Shift + CTRL + U

3. Die entsättigte und somit schwarz-weisse Ebene markieren wir als Luminanz

4. Wir weichzeichnen das gesättigte Bild nach unserem Geschmack

5. Die Ebenen können vermischt werden und das fertige Bild steht.


Variante 2 (die Aufwändige)
Das Vorgehen bei dieser Variante heisst: Stacken! Soviel wie möglich. Das Übereinanderlegen entrauscht die Bilder sodass nur noch die Sättigung angehoben werden muss. Kein duplizieren der Ebenen und kein Weichzeichnen sind mehr nötig.

Hier ein Beispiel vom Mond aus nur 5 Stacks:

Ich hoffe ich konnte in diesem kleinen Tutorial dem Einen oder Anderem näher bringen, wieso das Konvertieren von Mondbildern ins schwarz-weisse nicht zu empfehlen ist - genau, es wäre Bildmanipulation und völlig gegen die Ethik der Bildbearbeitung. Doch das ist wieder eine andere Geschichte...
To be continued... 

Dennis B. Marton, Oktober 2007